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Im Interview erzählt unser Bibliothekar Johannes Braun über den Alltag in besonderen Zeiten, seine Rolle als erster Ansprechpartner und Tipps für unsere Erstis.

 

1. Wie geht es Ihnen in dieser besonderen Situation ohne Leben auf dem Campus?

Es geht mir ganz gut, aber es ist natürlich wesentlich anders, gerade in der Bibliothek. Für manche anderen Mitarbeiter ist es vielleicht weniger besonders, weil sie im Hintergrund meistens weniger mit den Studierenden direkt interagieren. Aber ganz generell ist es ein komisches Gefühl, wenn auf dem Campus nichts los ist.

Den ganzen Betrieb online zu bearbeiten, ist natürlich deutlich aufwendiger. Wenn mich ein Studierender anschreibt und nach Literatur für ein Thema fragt, dann kann ich häufig nicht direkt nachfragen, wenn ich genauere Informationen brauche und vor allem können sie die Bücher vor der Ausleihe nicht sichten, deswegen ist die Literaturberatung eingeschränkt

 

2. Wie sieht aktuell Ihr Alltag in der Hochschule aus?

Vor allem sind online viele Dinge zu bearbeiten, wie z. B. E-Mails zu beantworten oder Zugänge zu den eMedien zu einzurichten bzw. verlängern, das ist ziemlich akut geworden, da sich viele nicht damit beschäftigt haben und es jetzt für alle notwendig geworden ist. Und neue Studierende, die keine Einführung bekommen haben, haben diverse Schwierigkeiten mit den Systemen.

Was ich heute zum Beispiel noch mache, ist die Einführung in die Literaturrecherche für die Studierenden im zweiten Semester aus Baden-Baden, was jetzt durch die Onlinelehre möglich geworden ist.

 

3. Wie umfangreich ist Ihre Arbeit in der Bibliothek aktuell?

Es ist definitiv nicht weniger geworden, es hat sich eher verschoben. Es gibt Zeiten, wo einiges an Leerlauf ist, was Publikumsverkehr angeht, da Termine vergeben müssen. Und wenn in der Zeit dann auch keine E-Mails kommen, dann haben wir in der Hinsicht auch online keinen Publikumsverkehr.

Es gibt dann aber genügend andere Sachen, die zu tun sind. Beispielsweise durfte ich vor kurzem die Lizenzen von EBSCO verlängern, die sonst abgelaufen wären oder wir haben jetzt den Jahrgang 2019 von Springer dazugekauft, wobei es Komplikationen mit den Vertragsunterlagen gab, jedoch ist dieser jetzt verfügbar.

Eine weitere Sache war, dass wir einen Teil der Literatur digitalisiert haben, da einige Werke online nicht verfügbar sind, sodass wir dann einzelne Kapitel eingescannt und in die Campus-Plattform hochgeladen haben.

 

4. Auf Instagram nennen Sie sich Bibliothekar des Vertrauens, allerdings sind Sie für die Studierenden auch in anderen Belangen oftmals der erste Ansprechpartner. Inwiefern hat sich das geändert?

Naja, schon zum Teil. Es ist so, dass man mich häufig als einer der Ersten anspricht, weil ich zum einen sehr greifbar bin, weil ich eigentlich immer in der Bibliothek bin; deswegen ist es sehr einfach, mich anzusprechen.

Zum anderen, weil sich verbreitet hat, dass ich einiges weiß oder zumindest weiß, an wen man sich wenden soll.

Das ist jetzt stärker eingeschränkt. Ich bekomme ab und an E-Mails, die in diverse Richtung gehen, aber es hat schon stark abgenommen, da es meist nur eine Gelegenheitsfrage ist.

Das ist auch ganz gut so, sonst würde ich an der Menge der E-Mails untergehen. Es geht aber auch darum, wie umfangreich die Antwort der E-Mail ist. Wenn ich eine E-Mail schnell beantworten kann, mache ich das auch direkt, aber wenn ich über die Frage länger nachdenken muss, beantworte ich Sie, wenn gerade mal Zeit ist.

 

5. Gibt es schon Informationen zur Rückkehr der Studierenden an den Campus?

Nein, es gibt noch keine offiziellen Informationen. Aktuell ist es erstmal so, dass es bis zu den Sommerferien so weitergehen wird, wie es aktuell ist. Wenn man darüber nachdenkt, wie es aktuell ist, scheint es aufgrund der Corona-Auflagen schwer möglich, den Unterricht, der aktuell online stattfindet, wieder ins Reale zu transferieren, da die entsprechenden Abstandsregeln eingehalten werden müssten, sodass man eine Gruppe in drei Räume aufteilen müsste, aber nur ein Dozierender für alle drei Räume zuständig wäre.

Abgesehen davon lohnt es sich im Prinzip kaum, da nach den Sommerferien nur noch wenige Wochen Unterricht wären, bevor die Prüfungsphase beginnt, sodass man sich jetzt auf das kommende Semester konzentriert, wobei es uns allen lieber wäre, wenn wir wieder den Betrieb auf dem Campus hätten.

 

6. Welche Tipps haben Sie für unsere Erstis?

Die armen Erstis, die kriegen von mir immer eine Menge Tipps, meistens aus der Hosentasche heraus, wenn mir gerade etwas einfällt. Ich habe ja vorgestern die erste Online-Vorlesung mit den Erstis gemacht, wobei die Interaktion natürlich auch zu großen Teilen fehlte, von daher kenne ich die meisten noch nicht persönlich.

Der wichtigste Tipp ist eigentlich, bei der Stange zu bleiben und vor allem nicht die ersten Klausuren zu schieben. Wer gleich anfängt, im ersten Semester Klausuren zu schieben, ist meistens nach dem dritten Semester weg. Das ist ein Erfahrungswert, da es in den kommenden Semestern dann einfach zu viel wird.

 

7. Was wünschen Sie sich von den Studierenden im Moment und für die Zeit nach Corona?

Dass mir jeder ein Bier mitbringt (lacht). Ich wünsche mir ganz generell, dass es wieder los geht, dass unsere analoge Bibliothek genutzt wird und auch, dass unsere eMedien genutzt werden, die wir für viel Geld angeschafft haben. Es ist immer ein wenig schade, dass sie von den Studierenden nicht so ganz angenommen werden, obwohl es dort oftmals gute Dinge zu finden gibt.

Ansonsten wünsche ich mir wieder viel Publikumsverkehr. Was ich mir ganz generell von Studierenden immer wünsche, ist, dass Studierende ihre E-Mails genau lesen bzw. überhaupt lesen. Ich bekomme viele Fragen, die sich die Studierenden selbst hätten beantworten können, wenn sie ihre E-Mail richtig gelesen hätten.

 

8. Welchen Literaturtipp der Woche haben Sie für unsere Studierende?

Ich möchte diese Woche als Literaturtipp ganz allgemein den Tipp geben, sich mit den Springer-eBooks zu beschäftigen, da wir nun auch den Jahrgang 2019 haben. Da soll es auch nicht darum gehen, eine konkrete Suche zu tätigen, sondern sich einfach mal anzeigen zu lassen, was es eigentlich alles gibt. Da sind so viele interessante Dinge dabei, das ist ein bisschen wie browsen am Regal.

Das wäre mein Literaturtipp für diese Woche, einfach mal in der Literatur stöbern.