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Eine Vielzahl von euch, liebe Studierende, hat bereits die neuen Professor*innen kennengelernt. Wir haben es uns nicht nehmen lassen, die neuen Professor*innen etwas näher kennenzulernen und ihnen ein paar Fragen zu stellen. Nachdem sich in den vergangenen Interviews bereits Prof. Dr. Hoxtell, Prof. Dr. Garmer, Prof. Dr. Martin & Prof. Dr. Hasewinkel unseren Fragen gestellt haben, präsentieren wir euch heute zum Abschluss der Reihe „Neue Professoren“ Prof. Dr. Eike Thomsen mit einschlägigen Antworten zur optimalen Verzahnung von Theorie und Praxis. 

 

Lieber Herr Prof. Dr. Thomsen, wir begrüßen Sie recht herzlich an der hwtk Berlin. Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte?

Meine Schwerpunkte in der Lehre umfassen Strategisches Management, Operations- und Supply Chain Management sowie Accounting und Kostenmanagement. Mein derzeitiger Forschungsschwerpunkt umfasst die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle sowie die übergreifende Vernetzung und Optimierung ganzer Wertschöpfungs- und Produktionssysteme im Rahmen des Konzeptes Industrie 4.0.

Neben der Lehre waren Sie auch als Unternehmensberater im Privatsektor tätig – Wie funktioniert die optimale Verzahnung von Theorie und Praxis?

Für eine optimale Verzahnung von Theorie und Praxis ist insbesondere daran zu denken, dass Theorien und Konzepte auch weiterentwickelt werden – und das können Sie selbst tun.  Schöpfen Sie aus dem vielfältigen Repertoire ihres Gelernten und wählen Sie aus, was Ihnen am geeignetsten erscheint und versuchen Sie, dieses dann auf die konkrete Situation anzupassen und anzuwenden. Es bedarf hierbei grundsätzlich immer der Verknüpfung, neuer Informationen und technologischer Weiterentwicklungen mit dem bereits vorhandenen Wissen und die Bereitschaft, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Wenn erforderlich, entwickeln Sie das Konzept so weiter, dass es passt. Wer sollte es sonst tun, wenn nicht Sie?

Auch in der Unternehmensberatung gibt es große Unterschiede, da jede Beratung eigene Zielvorstellungen und Unternehmensgrundsätze hat. Daher sind häufig Beratungsleistungen, wenn sie insbesondere darauf basieren, das gleiche Vorgehen beim x-ten Unternehmen umzusetzen, zum Scheitern verurteilt (also aus der Schublade ein fertiges Konzept zu ziehen und dieses als Lösung anzubieten), da die Besonderheiten des jeweiligen Unternehmens außer Acht gelassen werden. Gerade auch hier bedarf es der Fähigkeit, diese Konzepte dann zielgerichtet für die jeweilige Situation anzupassen.

Es erweist sich auch meist als vorteilhafter den Erfahrungsschatz der Belegschaft mit einzubeziehen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, als den Mitarbeitern eine fertige Lösung zu präsentieren. Der Berater bringt sein Methodenwissen und seine Erfahrung in die Lösungserarbeitung ein. Die Mitarbeiter des Unternehmens ihr Wissen über die tatsächlichen Problemstellungen und Abläufe im Unternehmen sowie ihre Erfahrung. Das Ergebnis sollte deshalb immer ein gemeinsames Ergebnis sein, sodass die Umsetzung dann auch tatsächlich engagiert erfolgt und sowohl Mitarbeiter als auch Unternehmen davon profitieren.

Standardlösungen führen häufig dazu, dass sie nicht sinnvoll realisierbar sind, nur einen kurzfristigen finanziellen Erfolg erzielen und zur Demotivation der Mitarbeiter führen. Maßgeschneiderte Lösungen sind für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter deutlich besser, da sie akzeptiert, tatsächlich realisierbar sind und nachhaltig zu einem Wettbewerbsvorteil führen.

 

Welche konkreten Maßnahmen müssen Hochschulen ergreifen, um Studierende fit für die Industrie 4.0 zu machen?

Die enormen Herausforderungen durch die Industrie 4.0 stellen alle Wirtschaftsakteure unter erheblichen Veränderungsdruck und werden eine Veränderung vieler Berufsbilder nach sich ziehen. Es bedarf hierbei der Fähigkeit, die Vorteile der Industrie 4.0 zu erkennen und für die Unternehmen und die Gesellschaft zu nutzen.

Die zukünftigen Führungskräfte, die an der hwtk ausgebildet werden, müssen neben der Kenntnis der technischen Einflüsse auf die Fabrik der Zukunft, den Herausforderungen, die sich aus der Zusammenarbeit Mensch und Roboter ergeben, den Einsatzmöglichkeiten für selbststeuernde Prozesse sowie dem Einsatz von Softwarerobotern für administrative Aufgaben, auch die Managementfähigkeiten hinsichtlich Industrie 4.0 erweitern. Denn gerade das Management muss die Belegschaft für den technologischen Wandel motivieren und befähigen, damit diese die Chancen für das Unternehmen und auch die Gesellschaft erkennen und nutzbringend einsetzen können.

Wie in jüngster Vergangenheit zu sehen war, ergeben sich eine Vielzahl neuer Geschäftsmodelle, die das Potenzial haben, ganze Branchen mit disruptiven Innovationen hinwegzufegen. Die Hochschulen sollten gemeinsam mit den Praxispartnern diese Herausforderungen erörtern und erfolgversprechende Lösungsansätze definieren und in die Lehre integrieren.

 

Wie nutzen Sie Ihre Freizeit abseits von Wirtschaftsthemen?

Meine Freizeit verbringe ich mit meiner Familie und meinen Freunden. Große Freude bereiten mir die Berge, in denen ich sowohl im Sommer als auch im Winter beim Skifahren gerne Zeit verbringe. Klavierspielen und Kochen sind für mich wichtige Bestandteile meiner Freizeit. Und wenn es die Zeit zulässt, lese ich auch gerne mal ein nicht-fachliches Buch.

 

Was geben Sie unseren Studierenden mit auf den Weg?

Seien Sie stets neugierig auf Veränderungen und versuchen Sie, Veränderungen als Chance zu verstehen. Auch wenn Sie nach dem Studium voller Tatendrang sind, ihr erlerntes Wissen einzusetzen, denken Sie immer daran, dass die schon länger im Unternehmen Agierenden häufig aufgrund ihrer Erfahrung und Kenntnis der Unternehmenskultur Situationen anders einschätzen und versuchen Sie, diese zu verstehen, um dann gemeinsam erforderliche Veränderungen umzusetzen.

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch.