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Ab und zu weht ein frischer Wind durch die schmalen Gänge der hwtk in Berlin. Da dieser in der Regel große Wellen schlägt, hat vermutlich eine Vielzahl von euch, liebe Studierende, bereits die neuen Professor*innen kennengelernt. Mit Prof. Dr. Annette Hoxtell, Prof. Dr. Michael Garmer, Prof. Dr. Eike Thomsen, Prof. Dr. Volker Hasewinkel und Prof. Dr. Alexander Martin wird das Professorenteam um fünf Persönlichkeiten bereichert. Wir freuen uns sehr, dass sie da sind!

Wir haben es uns nicht nehmen lassen, die neuen Professor*innen etwas näher kennenzulernen und Ihnen ein paar Fragen zu stellen. Jeden Monat stellen wir zwei neue Gesichter auf unserem Blog vor. Den Anfang machen Prof. Dr. Annette Hoxtell und Prof. Dr. Michael Garmer.

 

Liebe Frau Prof. Dr. Hoxtell,

wir begrüßen Sie herzlichst an der hwtk. Welche Kurse werden Sie bei uns im Wintersemester 2017/2018 unterrichten und wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte?

Dankeschön. Ich freue mich, hier zu sein und direkt voll in die Lehre einzusteigen. Im Wintersemester gebe ich im Masterstudiengang die Kurse Internationales Marketing und Marktforschung und im englischsprachigen Bachelor Integrated Corporate Communications. Im deutschsprachigen Bachelor lehre ich Marketing und das Management internationaler Unternehmen sowie Interkulturelle Kompetenzen und Präsentation und Moderation. Im Fernstudiengang sind es die Fächer Marketing und Interkulturelle Kompetenzen.

 

In der Forschung beschäftige ich mich vor allem damit, wie sich Menschen verhalten und weshalb sie das tun, warum sie beispielsweise eine bestimmte Laufbahnentscheidung treffen oder sich von einer bestimmten Arbeitgebermarke angesprochen fühlen. Spannend ist da auch das Zusammenspiel von Markenimage und Markenidentität und der wahrgenommener Passung zwischen der Marke und der eigenen Persönlichkeit. Mein Forschungsinteresse geht also stark in die verhaltenswissenschaftliche Richtung, die beispielsweise auch in der Psychologie, Soziologie und der Pädagogik eine große Rolle spielt und von diesen Fächern geprägt wird.

Diese überfachlichen Verbindungen führen mich auch gleich zu meinem zweiten großen Forschungsinteresse, der sozio-ökonomischen Bildung. Ich wünsche mir und arbeite daran mit, dass eine betriebswirtschaftliche Hochschulbildung klar vermittelt, dass Wirtschaftswissenschaften keine Inseldisziplinen, sondern in ein raum-zeitliches Sozialgefüge eingebettet sind und es ergo notwendig ist, Probleme aus verschiedenen Perspektiven zu analysieren und nicht nur rein wirtschaftliche Maßstäbe an deren Lösung anzulegen.

 

Wie begann Ihre akademische Karriere und auf welche Meilensteine blicken Sie zurück?

Das Schöne ist ja, dass Fachhochschullehrerinnen und -lehrer nicht nur über akademische, sondern auch über außerhochschulische Qualifikationen verfügen. Oft haben sie kunterbunte Lebensläufe und das ist bei mir nicht anders. So wie viele Studierende an der hwtk auch, habe ich meine Hochschullaufbahn als duale Studentin begonnen: Ich studierte International Business Administration an der VWA Stuttgart und absolvierte gleichzeitig die Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau bei der Deutschen Lufthansa AG. Dort sammelte ich – zusätzlich zu einem einjährigen USA-Aufenthalt – Auslandserfahrung bei Lufthansa in Mailand, Paris und Katowice und als Erasmus-Studentin an der Warsaw School of Economics. Polen und das Studium gefielen mir so gut, dass ich im Anschluss an das Bachelor-Studium einen Master in Central and Eastern European Studies an der Universität Krakau absolvierte.

 

Danach war ich mehrere Jahre lang als Sustainability Advisor und Public Relations Manager mit den Schwerpunkten Großbritannien, Green IT und Karrierethemen in der IT-Branche tätig. 2011 machte ich mich als Social Entrepreneur mit einem Mentoring-Projekt selbständig, das Schülerinnen für eine berufliche Zukunft im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) begeistert.

 

Diesem Projekt ist es letzten Endes zu verdanken, dass ich heute Professorin an der hwtk Berlin bin. Und das kam so: 2012 ergab sich die Chance, das Mentoring-Projekt an die Hochschule für Wirtschaft und Technik (htw) Berlin mitzunehmen, wo ich als Projektleiterin mehr Schülerinnen für ein ingenieurwissenschaftliches oder Informatikstudium begeisterte. Dazu muss ich sagen, dass es sich bei meiner Stelle um eine so genannte gleichstellungsfördernde Maßnahme handelte, die aus Mitteln des Professorinnenprogramms des Bundes und der Länder finanziert wurde. Dieses Programm gibt es seit 2008 und es hat zum Ziel, Strukturen dahingehend zu verändern, dass mehr Frauen nach der Promotion im Wissenschaftssystem bleiben und Professorin werden. Aktuell ist es nämlich so, dass in Deutschland nur ein Fünftel der Professuren mit Frauen besetzt sind, obwohl es mehr Abiturientinnen als Abiturienten gibt, mehr Studentinnen als Studenten und etwa genauso viele Doktorandinnen wie Doktoranden.

 

Zeitgleich zu meiner Tätigkeit als Projektleiterin an der htw promovierten Kolleginnen oder begannen ihre Professorinnenlaufbahn. Sie waren hervorragende Vorbilder und motivierten mich zu promovieren, ebenso wie meine Vorgesetzte, die dieses Vorhaben ausdrücklich unterstützte und mir die nötigen Freiräume gewährte. Der letzte große Meilenstein ist dann wohl die Promotion: Ich schloss sie 2016, in weniger als drei Jahren, zu „Entscheidungsgründen für den Ausbildungsbetrieb“ mit einem „magna cum laude“ an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam ab. Seit Oktober 2017 bin ich nun an der hwtk Berlin und kann als Professorin das tun, was mir liegt und Freude bereitet: lehren und forschen.

Die inspirierendste Persönlichkeit, der Sie je begegnet sind?

Die eine „inspirierendste“ Persönlichkeit gibt es für mich nicht. Jeder Mensch kann Inspirationen bergen. Der eine inspiriert mich dazu, etwas nachzuahmen und mir anzueignen, beispielsweise eine Verhaltensweise oder Denkhaltung, der andere inspiriert mich zu neuen Gedanken und Taten. Am liebsten sind mir die Menschen, die beides tun – Ideen beflügeln und Vorbild sein. Ich lasse mich gerne inspirieren von Menschen, die wohlwollend, zugewandt und neugierig sind, die klare Wertmaßstäbe haben und danach handeln.

 

Wie nutzen Sie ihre Freizeit abseits von Fragen der Wirtschaft?

Am liebsten verbringe ich meine Zeit mit Familie und Freunden bei Ausflügen, leckerem Essen und einem guten Gespräch. Sport ist für mich lebensnotwendig: Beim Taekwondo powere ich mich aus und bündele gleichzeitig meine Konzentration. In der Natur – beim Joggen, Spazieren, Bergwandern oder einfach nur am See – finde ich Ruhe und Gelassenheit. Und ohne gutes Buch mag ich nicht einschlafen. Reisen inspirieren mich. Kleine Dinge – Sonne im Gesicht, der Duft von Herbstlaub, ein Spatz auf der Bahnhofsuhr – bereiten mir Tag für Tag Freude.

 

Lieber Herr Prof. Dr. Garmer,

wir begrüßen Sie ebenfalls herzlichst an der hwtk.
Welche Kurse werden Sie bei uns im Wintersemeszer 2017/2018 unterrichten und wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte?

Im laufenden Wintersemester unterrichte ich die Fächer Organisation, Personalführung und Unternehmensethik sowie Mathematik und Statistik. Meine Forschungsschwerpunkte liegen vor allem im Bereich Wirtschafts- und Unternehmensethik sowie im Bereich Managementsysteme wie Qualitätsmanagementsysteme oder Compliance.

Wie begann Ihre akademische Karriere und auf welche Meilensteine blicken Sie zurück?

Begonnen habe ich mit einem Studium der Physik in Münster und München, sowie einer anschließenden fünfjährigen Assistentenzeit an der Universität der Bundeswehr in Hamburg und der Universität Erlangen-Nürnberg. Hier habe ich mich bereits intensiv mit Forschung und Lehre befasst. Nach der Promotion in Maschinenbau war ich mehrere Jahre in der Industrie sowie als Geschäftsführer eines technischen Dienstleistungsunternehmens beschäftigt und habe berufsbegleitend Betriebswirtschaftslehre studiert. Nach einer Reihe von Lehraufträgen an Berliner Hochschulen zu den Themen Allgemeine BWL, Unternehmensethik und Energiewirtschaft bin ich nun seit kurzem an der hwtk.

 

Neben Ihrem Beruf haben Sie sich auch politisch betätigt und gehörten von 2011 bis 2016 dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Welche Erfahrungen bringen Sie aus diesem Engagement mit?

Der Politikbetrieb ist ein sehr spannender und nicht unwichtiger Bereich. Wenn man aus der Wirtschaft in die Politik wechselt, fällt einem aber sofort auf, wie unheimlich langsam politische Entscheidungsprozesse oftmals sind, verglichen mit der Industrie. Gleichwohl werden viele relevante Entscheidungen vorbereitet und getroffen, so dass ich mich sehr gefreut habe, dass die Wählerinnen und Wähler meines Wahlkreises mich direkt in das Parlament gewählt haben.

Worin liegt für Sie der entscheidende Unterschied zwischen einem Publikum aus Politikern und einem Publikum aus jungen Akademikern?

Eine Parlamentsdebatte ist in der Regel nur der Schlusspunkt eines langen Diskussions- und Meinungsbildungsprozesses, bei dem die Abgeordneten in zahllosen Ausschusssitzungen, Anhörungen und Tagungen alle Aspekte eines Themas bereits intensiv beleuchtet haben. Insofern kommen bei der abschließenden Debatte naturgemäß keine neuen Argumente mehr auf den Tisch und es kann sich so etwas wie Routine einstellen, da die Argumente und Gegenargumente einen schon Monate lang begleiten. In einer Lehrveranstaltung vor jungen Akademikern dagegen merkt man als Lehrender den Reiz des Neuen und den Drang der jungen Menschen, etwas zu lernen. Das macht mir viel Freude.

 

Wie nutzen Sie Ihre Freizeit abseits von Fragen der Wirtschaft?

Vor allem mit der Familie, bei Reisen und oft bei gemeinsamem Sport. Außerdem lese ich gern.

 

Vielen Dank für die interessanten Gespräche!