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Eine der beliebtesten Vertiefungsrichtungen des Studiengangs Business Administration an der hwtk ist Event-, Messe- und Kongressmanagement (EMK). Innerhalb einer  Branche die zwar mit Vielseitigkeit besticht, sich jedoch sukzessive auf die Herausforderungen der Industrie 4.0 einstellen muss, stehen Absolventen vor einer Reihe von Herausforderungen.

 

Wir haben die iba-Absolventin Lydia Engelhardt, die Projektmanagerin von Berlin Event Jacqueline Hegenbart und den hwtk-Dozenten Matthias Spacke zum Interview getroffen. Dabei herausgekommen sind drei Perspektiven, die allesamt einen interessanten Blick auf die Branche werfen und authentisch von den vielfältigen Berufschancen berichten.

 

 

Lydia ist Alumna des Masterstudiengangs Business & Organisation der hwtk Berlin und arbeitet derzeit beim Veranstaltungsdienstleister GAHRENS + BATTERMANN

 

Hey Lydia, schildere uns doch kurz deinen Weg in die Eventbranche!

Meinen Weg in die Eventbrache habe ich über mein duales BWL-Studium mit der Vertiefung Event-, Messe- und Kongressmanagement an der iba Berlin gefunden. Mein damaliges Partnerunternehmen, die BB Expo Event GmbH, ist Veranstalter der Hochzeitsmessen „HochzeitsWelt“ in Deutschland. Hier habe ich von der Planung, Akquise und Durchführung bis hin zum Abbau einer Messe alles rund um das Messemanagement gelernt und meine Begeisterung für die Veranstaltungsbranche entdeckt.

 

Wie schätzt du  die derzeitige Lage der Eventbranche ein und auf welche Herausforderungen müssen sich Absolventen gefasst machen?

Die Eventbranche ist nach den wirtschaftlichen Turbulenzen von 2009 wieder auf dem Vormarsch. Die Unternehmen sind wieder bereit, größere Summen in Corporate Events, Messen und Kundenveranstaltungen zu investieren. Das ist gut für uns, da die Branche sich so wieder auf ein langsames, aber stetiges Wachstum freuen kann. Zudem ist klar ein Trend hin zur Live-Kommunikation zu erkennen, was die Bedeutung von Events weiter steigen lässt. Absolventen, die in die Eventbranche einsteigen wollen, können sich auf ein abwechslungsreiches Umfeld mit viel Kundenkontakt freuen. Das erfordert jedoch viel Hingabe, Stressresistenz und die Bereitschaft, auch mal fernab der herkömmlichen Arbeitszeiten alles zu geben. Die Veranstaltungsbranche braucht Nachwuchs der bereit ist, nicht nur 100% sondern 110% zu geben und das zu jeder Zeit und für jeden noch so kleinen Wunsch ihrer Kunden.

 

Gibt es bestimmte Eigenschaften die für Neuankömmlinge der Branche von Vorteil sind?

Ich denke, dass jeder, der in der Eventbranche Erfolg haben möchte, zunächst einen natürlichen Hang zur Organisation und ein gutes Verständnis für Abläufe mitbringen muss. Da die Branche stark von Quereinsteigern geprägt ist, die zwar auf gute Fähigkeiten bauen können, denen aber oft der kaufmännische Background und das Verständnis für die Zusammenhänge auf einer Veranstaltung fehlt, ist es für jeden Neuankömmling von Vorteil, wenn er genau diese Kompetenzen z.B. aus einem abgeschlossenen Studium bereits mitbringt. Er muss das, was die Marktteilnehmer als Vorsprung an Erfahrung haben, durch Lernbreitschaft, Durchsetzungsvermögen und das Wissen über die richtigen Werkzeuge für Events wieder wett machen. Außerdem schadet es nicht, wenn junge Branchenteilnehmer bereit sind, aktives Networking zu betreiben, um schnell nützliche Kontakte aufzubauen und auch zu nutzen, denn die Branche lebt von ihrem Netzwerk.

 

Wie machen sich Eventdienstleister (wie z.B. GAHRENS + BATTERMANN) fit für die Industrie 4.0?

Die Eventdienstleister im Bereich Veranstaltungstechnik zeigen viel Bereitschaft, in digitale Technologien zu investieren. So hat GAHRENS + BATTERMANN beispielsweise eine eigene Abteilung namens „G+B Interactive“, die sich darauf spezialisiert hat, Veranstaltungen interaktiv erlebbar zu machen. Wir bieten u.a. Lösungen für gemeinschaftliches Brainstorming, für Votings, Diskussionen oder Gamification an. Natürlich investieren die Dienstleister auch in immer neue Entwicklungen der Veranstaltungstechnik, wie z.B. hochauflösende LED-Wände, wiederverwendbare Dekobauten und neueste LED-Leuchtmittel. Damit gehen wir ein Stück weit auch den Weg in Richtung mehr Nachhaltigkeit und energiesparende Events.

 

Jacqueline ist Projektmanagerin der Eventagentur Berlin Event

 

Sehr geehrte Frau Hegenbart, welche Anforderungen stellen Eventagenturen im Jahr 2017 an ihre Mitarbeiter?

Ich schätze, dass die Eigenschaften Kreativität und Flexibilität für die meisten Agenturen immer noch sehr wichtig sind.


Junge Mitarbeiter mit gewisser Erfahrung sind natürlich ein absolutes Plus. Ein Duales-Studium ist hierbei definitiv von Vorteil, da die Bewerber neben der Erfahrung im Unternehmen sich in den drei Jahren Ausbildungszeit sehr stark weiterentwickeln. Schließlich  sollten die Mitarbeiter verantwortungsvoll und selbständig arbeiten können und eine Stärke in der Kommunikationsfähigkeit besitzen. Anpassungsfähigkeit und schnelle Auffassung runden die Anforderungen an die Mitarbeiter ab.  

 

Gibt es derzeit nennenswerte Tendenzen im Eventbereich – Was glauben Sie wie sich die Branche in den nächsten fünf Jahren entwickelt?

In den nächsten fünf Jahren wollen wir das Live Marketing (Event-Marketing) noch weiter in den Mittelpunkt rücken, da der Wettbewerbsdruck weiterhin steigen wird. Um die Kunden nicht mit klassischen Werbemöglichkeiten zu überfluten, bietet das Live-Marketing den Kunden die Möglichkeit, die Produkt- und/oder Service-Erlebnisse emotional und damit nachhaltiger zu erleben.

 

Sie werben auf ihrer Website mit nachhaltigen Konzepten – Wie sieht es bei Ihnen mit Digitalisierung aus?

Das Unternehmen Berlin Event O.Schulz & M.Worm OHG steht noch in den anfänglichen Schritten der Digitalisierung, wobei schon Einiges eingesetzt wurde und wird. Wir besitzen beispielsweise eine eigene individuelle Software, die Daten von Kunden speichert und Angebote, sowie Verträge automatisch erstellt. Des Weiteren nutzen wir ein Kartensystem (Zeiterfassungssystem) intern im Büro, sowie extern bei Veranstaltungen für unser Service-Personal. Ebenso nutzen wir neben Mailverteilprogrammen, auch Customer-Relationship-Management Systeme, kurz CRM genannt.

 

 

Matthias Spacke ist Dozent der hwtk Berlin

 

Welche branchenspezifischen Tendenzen sind derzeit im Bereich EMK zu beobachten?

Viele der Trends sind nicht neu, haben sich aber weiter entwickelt.

1.) Preisverfall für Eventdienstleistungen. Man kann sich im Wettbewerb nur über Beratungsleistungen differenzieren.

2.) Digitalisierung und Flexibilisierung der Partizipationsmöglichkeiten für Teilnehmer & Sponsoren. Erweiterung des Eventwirkungskreises über die reine Veranstaltungszeit hinaus.

3.) Event Design. Die Teilnehmer erwarten heute eine interaktive Lernerfahrung und verstärkte Interaktion mit Kollegen oder der Teilnehmercommunity. Das hat direkte Auswirkung auf die Programmgestaltung und die Ausstattung der Eventlocations.

4.) Nach wie vor: Erfolgsmessung. Die bestehenden Methoden sind noch nicht richtig ausgereift.

5.) Nach wie vor: Transparenz und Compliance. Andere inhaltliche Einbindung von Sponsoren.

 

Auf welche Herausforderungen müssen sich Absolventen im Bereich EMK gefasst machen? Welche Skills sind gefragt?

Gefragt sind vor allem ökonomisches Denken, sowie strategische Beratungskompetenz und deren flexible Anwendung. Perspektivisch sollte man vor allem weg vom reinen Projektmanagement-Gedanken und hin zum Konzeptberater-Ansatz.

 

Wo besteht für Hochschulen Verbesserungsbedarf?

Hochschulen sind derzeit auf dem richtigen Weg. Proaktivere Förderung von wissenschaftlichen Studien und Publikationen wäre dennoch wünschenswert. Zu überlegen wären dabei erweiterte Studieninhalte zu Themen wie Creative Techniques und Kultur, sowie bestimmte Bereiche aus der Psychologie, zum Beispiel Führungskompetenz, soziales Verhalten von Teilnehmern und Regeln für die Vermittlung von Inhalten.

 

Vielen Dank für die Gespräche!